Klostertor und Spittelmühle - Teil 2

Am 24. September 1830 zeigte der Kamenzer Buchdrucker Karl Samuel Krausche in der Zeitschrift "Die Biene" die Geburt seiner Tochter Sigismunda Rebelliana Krausche an. Ist das Haus auf dem Foto rechts Krausches Druckerei? Dank der freundlichen Auskunft von Norbert Portmann, Kamenzer Ortschronist, konnte die Sache geklärt werden. Krausches Druckerei befand sich im Garküchengässchen, der späteren Herren- und jetzigen Rosa-Luxemburg-Straße. Leider wurde das Gebäude beim Bau der Sparkasse abgerissen. Auf unserem Foto dagegen sehen wir das ehemalige Geschäft des Buchdruckers Siedt (vorher gehörte es einem Herrn Bader), dessen Druckerei in der Talstraße lag - heute ist es die Lessingdruckerei. Im Jahr 2000 befand sich hier eine Buchhandlung.

Noch im Jahr 2000 fand in der Gaststätte "Zum Echten" ein Vereinsabend der Kamenzer Münzfreunde e.V. statt. Hier biegt die Bautzner Straße nach rechts ab. Neben dem Gasthof steht das Gebäude der ehemaligen Kammerlichtspiele, im Hof eine Ausstellung zur Kinogeschichte. Der Gastwirt Bernhard Hauffe eröffnete das Kino 1910 unter dem Namen "Weltkinotheater", nach einem Umbau im gleichen Jahr hieß es "Weltkino". Hauffe starb 1914, seine Frau Ida führte das Kino bis 1921 weiter. 1947 erfolgte die Enteignung, die Kammerlichtspiele wurden in die Vereinigung volkseigener Lichtspieltheater des Landes Sachsen überführt. 1990 wurde das Kino baupolizeilich gesperrt.

Treten wir aus dem Kinohof heraus und schauen die Straße hinunter, schauen wir verwundert auf eine altertümliche Shell-Tankstelle. Es handelt sich um das berühmte Tankstellenmuseum. Hier gründete der Schmiedemeister Richard Feuchtermeyer 1925 die erste Tankstelle in Kamenz. Die Schmiedewerkstatt selbst liegt dahinter, in der Breiten Straße, an der Einmündung der  Töpferstraße. Letztere, eher ein Gäßlein, enthält eine bunte Künstlerwerkstatt mit Baumhaus.

Auf der linken Straßenseite gibt es nocht ein Kulturdenkmal zu sehen: der ehemalige Gasthof "Goldene Sonne" beherbergt jetzt ein Reisebüro. Im Hof steht ein Taubenhaus von1896.

Die Breite Straße führt nun hinunter zur Elsterfurt mit dem Eulenfelsen, dem ältesten und, wie der Heimatforscher Böhnisch schreibt, romantischsten Eckchen der Stadt. Aber ach! was ist daraus geworden. Discounter mit riesigen Parkplätzen und ein Dönerladen (die Falafel sind lecker) stehen direkt am Eulenfelsen, die Laderampe mit den Mülltonnen neben dem Naturdenkmalszeichen. Hier erklangen einst die Lieder des "Gesangsvereins im Eulenberge", gegründet 1842 im Haus des Spitteler Administratoren Pörschel.

Also auf nach Spittel, die Uferstraße entlang. Fachwerkhäuschen und Schiefergiebel, die heutige Talstraße ist das alte Dorf Spittel. Der Turm der katholischen Kirche ragt über die frisch sanierten Häuschen empor und zeigt den Weg zum einstigen Nonnenkloster und Hospital. Es war die Keimzelle des heutigen Klosters Marienstern. Neben der Friedhofsmauer steht zu meinem Entzücken noch die alte Spittelmühle mit ihrem "Contor".

(Fortsetzung folgt)