Von Wilschdorf ins Wesenitztal

Vierzig Jahre ist es nun her, dass ich zuletzt im Gasthof Wilschdorf einkehrte. Wie so viele Dorfgasthöfe hat er schon lange für immer geschlossen. Wunderschöne verfallene Häuser gegenüber, die Straße führt ins Wesenitztal hinunter. Ein Fachwerkhaus, frisch getüncht, die Wetterseite mit intaktem Schindelmuster. Im Hang eine alte Kellertür. Sehr authentisch wirkt auf mich das weiße Haus am Hang, das der Straße die Stallfenster zuwendet. Ob darin noch jemand wohnt - vermutlich nicht, denn daneben steht ein neues Gebäude.

"Das schönste Wappen auf der Welt ist der Pflug im Ackerfeld" verkündet die Inschrift einer Garageneinfahrt, die in die Giebelseite eines älteren Hauses hineinführt. Das Wandbild zeigt einen Bauern, der mit zwei Pferden pflügt, sich vom Betrachter entfernend. Ein Dreiseithof mit riesiger Scheune, dunkelrot, da Wohnhaus mit Fenstern im Stil der 60ger Jahre. Dann geht ein Wanderweg von der Straße ab, durch den Wald, über die Wiese, hinunter zur Mündung des Dorfbachs in die Wesenitz.

Die Kirche mit dem spitzen Türmchen, schieferfarben, rot das Dach, weiß die Wände. Drinnen wird gesungen. Ein alter Tor- oder Fensterbogen in der Seitenwand ist beim Renovieren nicht mit übertüncht worden, der helle Stein naturbelassen.

Hinter der Kirche der Pirnaische Weg, ein alter Hohlweg, einst die Straße von der Elbe in die Lausitz über Wünschendorf, Fischbach, Seeligstadt und Großröhrsdorf nach Pulsnitz. Wir folgen aber der Dorfstraße ins Tal, vorbei an weiteren verfallenden Fachwerkhäusern. Buschwindröschen am Bach, der sich in behaglichen Windungen dahinschlängelt.

Ein Wanderweg geht von der Dorfstraße ab und folgt durch den wald und über die Wiese dem Dorfbach hinunter zu seiner Mündung in die Wesenitz.

In der alten Papierfabrik - die vorher eine Papiermühle war, erbaut von Hieronymus Schaffhirt - haben sich unternehmungslustige Leute angesiedelt. Ein Zirkuswagen, bunte Graffiti, und ein Schild am Tor: lehmix.de. Auf dem alten Fabrikschornstein hat sich ein Storch angesiedelt - echt oder Attrappe?

Unter dem gewaltigen Viadukt hindurch geht es weiter nach Dittersbach, wo der Bus nach Pirna abfährt.